Wie man zum Global Thought Leader wird
Der Papst auf Platz eins? Youtube das wichtigste Medium? Und wie genau misst man eigentlich Einfluss im Web? Detlef Gürtler (Chefredaktor «GDI-Impuls») über die Methode hinter dem Global Thought Leader Index 2015.
Herr Gürtler, auf Platz eins und zwei der globalen Liste der Thought-Leader stehen Papst Franziskus und Paulo Coelho. Kann eine Analyse relevant sein, wenn die beiden wichtigsten Vordenker der Welt zwei alte weisse Männer sind, die für die Kirche und Wohlfühl-Esoterik stehen?


Wie wird man denn überhaupt zum Thought-Leader?


Bitte – denn genau darum geht es mir.


Moment mal, der Reihe nach: Am Anfang steht also keine Berechnung, sondern eine menschliche Vorauswahl? Wie verhindern Sie denn eurozentrische oder andere Bias und blinde Flecken?


Und diese Vorauswahl wird danach durch den Rechner gelassen und auf die Betweenness-Centrality getestet. Was heisst das genau?


Und warum ist die Betweenness-Centrality die relevante Kenngrösse, wenn man Einfluss messen will?


Das klingt so, als ob es egal ist, worüber in Zusammenhang mit einem Thought-Leader geredet wird, solange es nur geschieht. Der Papst kann in einem Tweet die Homosexualität billigen oder Justin Bieber mögen. Messen Sie denn nur Quantität im Diskurs, oder auch seinen effektiven Einfluss?


Sie haben auch die Medien gemessen, auf denen der Diskurs stattfindet. Wichtigstes Verbreitungsmedium ist demnach Youtube. Da werden aber nicht die Videos, sondern die Texte gemessen. Das ist nicht ganz leicht verständlich: Zählen Sie die Kommentare zu einem Papst-Video? Oder die Nennungen des Wortes Papst in den Kommentaren aller Videos?


Auf den ersten fünf Plätzen finden sich nebst Youtube und Twitter auch die New York Times und der Guardian. Wie erklären Sie sich das Nebeneinander von Qualitäts- und sozialen Medien?

«Wir sind schlauer als unsere Unternehmen»
Peter Wippermann analysiert die Werte deutscher Web-User. Er zeigt: Menschen wollen nicht länger als berechenbarer Konsument oder produktive Mitarbeiterin reduziert werden. Der Trendforscher präsentiert seine Analyse am GDI-Trendtag – und hier im Interview.