Wellness 2030: Glück durch Technologie
Wie werden wir in Zukunft glücklich? Welche Technologien unterstützen uns dabei? Die neue GDI-Studie «Wellness 2030» nennt die neusten Möglichkeiten. Und am 14. März diskutieren wir am GDI-Trendtag über neue Techniken zur Selbsterweiterung.

Im 20. Jahrhundert waren Gesundheit und Wellness stark im klinischen Kontext eingebettet. Ziel war das Beheben von Mängeln und Defiziten, nicht zuletzt um auf dem Arbeitsmarkt leistungsfähig zu bleiben. Heute geht es um präventiven Wellness-Konsum. Die Verbraucher sollen nicht mehr nur Anweisungen von Ärzten und anderen Experten befolgen, sondern ihre eigenen Fähigkeiten erweitern. Denn die wichtigsten Gesundheitsentscheide werden immer weniger beim Arzt oder in der Apotheke, sondern im Supermarkt bzw. beim Einkaufen gefällt.

Schritt für Schritt werden wir uns bewusst, wie wir mit Hilfe von neuen Technologien unser Potenzial steigern, besser hören, sehen, schneller lernen und somit über uns hinauswachsen können.

Die folgende Grafik zeigt, welche Technologien des Glücks uns in Zukunft – und teilweise bereits heute – erweitern:

GEHIRN
Brain Computer Interface (BCI) – Über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle wie z.B. Neuralink können Maschinen mit unseren Gedanken gesteuert werden.
Gehirnwellen-Sensoren – Die Gehirnwellen-Sensoren von Berkeley Ultrasound werden zur Behandlung von Depression, PTBS, TBI, Alzheimer und Demenz eingesetzt.

AUGEN
Smart Lenses – Google Verily & Alcon. Jetzt: Mithilfe einer Glukose-Linse wird der Glukose-Spiegel überwacht.
Zukunft: Zu Objekten aus unserer Umwelt werden Informationen hinzugefügt.

NERVEN
Bioelektronische Medikamente (Implantate) – z. B. Galvani Bioelectronics (Joint Venture zw. Verily & GlaxoSmithKline). Die bioelektronische Medizin ist ein aufstrebendes wissenschaftliches Gebiet. Ihr Ziel ist es, mithilfe von winzigen implantierbaren Geräten präzise elektrische Signale in Nerven zu verändern, um lähmende chronische Krankheiten zu behandeln.

KOMBINIERTE SINNE
Wearables – Eine interaktive Weste ermöglicht eine neue Art des Hörens. In dieser Weste sind 32 winzige Motoren verbaut. Jeder Motor spricht auf eine andere Tonfrequenz an und vibriert dann. Dadurch können über die Haut Töne wahrgenommen werden.
Eyeborg – Das Gerät des Künstlers Neil Harbissons wandelt Farben in Töne um. Vor der Stirn trägt Harbison einen Eyetracker. Über einen schwenkbaren Arm ist dieser mit einem Chip verbunden, der operativ in die Schädelwand eingesetzt wurde. Der Chip im Eyeborg verwandelt permanent Farbinformationen in Tonsignale um sie auf den Schädelknochen zu übertragen.

BIONISCHE KÖRPERTEILE
Bionic Hand – Bionische Handprothesen wie i limb ultra von Touch Bionics werden über noch vorhandene Nerven und transplantierte Muskelstränge mit dem Gehirn verbunden.

ZELLEN
DNA/Gen – Durch Manipulation des Erbguts in menschlichen Zellen, wie z.B. mit dem CRISPR-CAS 9, wird der Lebenszyklus verlängert.

BLUT
Biointegrierte Sensoren (Dexcom Google oder Lumee von Profusa) funktionieren als Glukose-Monitore (CGM). Biokompatible Implantate überwachen Fluoreszenz, Sauerstoff, Glukose, Laktat oder andere Biomarker im Blut.

MAGEN, DARM
Microbiome-Testing und Metabolic Tech (Ubiome oder Aire) geben anhand von Mikroben im Stuhl oder dem Gasgehalt im Blut Auskunft über den Zustand des Verdauungstrakts.

HORMONE
Die Zufuhr von Smart Drugs wie Nootropics reguliert den Hormonhaushalt. Der hormonelle Zustand wird dadurch permanent kontrollierbar.

HERZ
Künstliches Herz: Herzschrittmacher. Zusammen mit dem Aufladen des Mobiltelefons in der Nacht, lädt man den Akku seines Herzschrittmachers auf.

HAUT
Microbiome-Testing: Mikroben geben Auskunft über den Zustand der Hautflora.

MENSCH – MASCHINE
Brain-Computer-Interface (BCI) – Verschmelzung von menschlicher mit künstlicher Intelligenz zur erweiterten Augmented Intelligence: Unternehmer und Tesla-Chef Elon Musk hat kürzlich die Neurotechnologie-Firma Neuralink gekauft. Sein Ziel: Ein alltagstaugliches BCI zu entwickeln, das eine bidirektionale Kommunikation zwischen Gehirn und Computer ermöglicht. Wenn dies gelänge, könnten Maschinen allein durch Gedanken bedient werden. Informationen oder Fähigkeiten liessen sich direkt aus dem Internet laden und unmittelbar in die Nervennetzwerke einspeisen.
 

MENSCH – PFLANZE
Human-Plant-Interface – Digitale Rechenkraft trifft auf biologische Materie und erschafft neue Perspektiven in der Interaktion mit unserer natürlichen Umwelt. Das Projekt Florence der Künstlerin Helene Steiner (Artist in Residence, Microsoft Research) zeigt, dass Pflanzen ihre eigene Sprache haben. Mithilfe eines Human-Plant-Interface können elektrochemische Signale von Pflanzen in eine Sprache übersetzt werden, die Menschen verstehen. Pflanzen können uns so ihre Bedürfnisse mitteilen.

MENSCH – TIER
Human-Animal-Interface – Wissenschaftler arbeiten derzeit an der Entwicklung von Technologien, die es Tieren ermöglichen sollen, mit Menschen zu sprechen. Der Weg: «Tier-Computer-Interaktion». Es wird erforscht, wie sich Technologie von GPS bis zur drahtlosen Kommunikation nutzen lassen.

MENSCH – UMWELT
Molekulare Scanner – Connect with your Environment. Mithilfe des molekularen Scanners SCiO oder dessen Konkurrenzprodukts Tellspec lässt sich bereits heute die chemische Zusammensetzung von beliebigen Objekten aus unserem Umfeld analysieren. Die molekularen Scanner ermöglichen uns die Interaktion mit unserer Umwelt.

 

Wie wir mit den neuen Technologien umgehen können und welche Bedeutung diesen bei unsere Suche nach dem Glück zukommt, diskutierten wir am 14. Europäischen Trendtag. International renommierte Referenten sprachen zum Thema «Super You: Die wachsenden Märkte der Selbstoptimierung».

Dies ist ein Auszug aus der GDI-Studie «Wellness 2030: Die neuen Techniken des Glücks».

GDI-Podcast: Kehren die Stämme zurück?
Erleben wir eine Rückkehr des vormodernen Stammesdenkens, oder ist Tribalismus ebenso alt wie grundlegend für Menschen? Diese Frage stellte das GDI an der Konferenz «Die Rückkehr der Stämme» vom 22. Januar 2018. Die Referenten Peter Sloterdijk, David Goodhart und David Bosshart beziehen im neusten GDI-Podcast Stellung.