Warum Roboter die Wirtschaft nicht produktiver machen
Trotz überragenden technologischen Fortschritten erhöht sich die Produktivität nur sehr langsam, es drohen Populismus und Unzufriedenheit. Der Vordenker Lord Adair Turner erklärt dieses Paradox hier und am 21. Januar 2019 im GDI.
Lord Adair Turner

Der technologische Fortschritt entwickelt sich exponentiell. Trotzdem sind die Löhne in den zehn Berufsfeldern der USA, die am stärksten boomen, in acht Fällen unterhalb des US-Durchschnittseinkommens. «Produktivitätsparadox» nennen die Ökonomen diesen vermeintlichen Widerspruch. Einer dieser Ökonomen erklärt, wie das Paradox entsteht. Lord Adair Turner ist ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktaufsicht und Vorsitzender des Institute for New Economic Thinking.

Turner sieht folgende Ursachen für das Produktivitätsparadox: Ob die Produktivität steige, hänge davon ab,

Das Problem: Wenn Automation in einem Unternehmen zu mehr Produktivität führt, steigen dort die Löhne. Doch je höher die Einkommen, desto mehr Geld wird ausgegeben für Dienstleistungen wie Haushaltshilfen, Pflege oder Verkauf. Und die sind leider schlecht bezahlt. Schlimmer noch, die Tätigkeiten lassen sich nur schlecht automatisieren. Dadurch bleibt die Produktivität tief. Gesamtwirtschaftlich betrachtet ist es laut Turner so, dass die Automatisierung Menschen in Jobs mit tiefer Produktivität drängt. Unter dem Strich bleibe für die Volkswirtschaft nur ein sehr geringer Produktivitätszuwachs.

Turners Blick in die Zukunft ist daher düster: Er prognostiziert eine schleppende Gesamt-Produktivitätssteigerung und eine sich vergrössernde Ungleichheit in der Bevölkerung. Beides erhöhe die Unzufriedenheit und gefährde letztlich die Demokratie. Das Ergebnis könnten Plutokratien sein, populistische Autokratie wie in Viktor Orbáns Ungarn oder eine Kombination aus beidem.

Am 21. Januar 2019 erklärt Lord Adair Turner am GDI seine Sicht der Wirtschaft im Roboterzeitalter. Zusammen mit dem US-Politexperten Robert Kagan ist Turner Gast an der Abendveranstaltung «Robot Capitalism and The Coming World Disorder».

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Team statt Einzelkämpfer: Der 13. Gottlieb Duttweiler Preis geht an die KI-Plattform Watson. IBM-Forschungsleiter John E. Kelly lll wird den renommierten Preis am 7. Mai 2019 stellvertretend entgegennehmen.