User werden die neuen Proletarier
Wenn unsere Kinder keine Sklaven des Datenglaubens sein sollen, müssen sie Programmierer werden: Trendforscher Norbert Bolz im provokativen Videointerview vor seinem Referat am GDI-Trendtag.

«Program or be programmed» heisst ein Satz, den der einflussreiche Medientheoretiker Douglas Rushkoff bekannt gemacht hat. Sein deutscher Kollege erklärt das Zitat im Videointerview so: Wer heute die Technologie nicht zu kontrollieren wisse, werde morgen von ihr kontrolliert. Das gelte bereits heute und für ein Leben im Internet der Zukunft noch viel mehr.

«Die Sklaven des Datenglaubens sind jene, die nicht wissen, wie man mit Daten umgeht», erklärte Bolz im Gespräch vor seinem Referat am Europäischen Trendtag vom 11. März 2015. In seinem Vortrag mit dem Titel «Propaganda im 21. Jahrhundert: Wie Daten das Denken ersetzen» warnte er am GDI davor, sich der Digitalisierung unbewusst hinzugeben. Bei weitem kein Technologie-Verweigerer, plädierte Bolz für eine pädagogische Umsetzung des Rushkoff-Zitates: Wir sollten unsere Kinder dazu anhalten, Programmierer zu werden, damit sie in der hypervernetzten Welt von morgen die Kontrolle über ihre Daten und damit über ihre Identität nicht verlören.

Wer das nicht schafft, werde es, so der Medienphilosoph, in Zukunft noch schwerer haben als heute. «’User’ wird wahrscheinlich in Zukunft ein Wort sein, das man ähnlich benutzt wie früher etwa das Wort ‚Proletariat’», sagt Bolz im Interview.

Der 11. Europäische Trendtag fand am 11. März 2015 zum Thema «Das Übernetz: Machthaber und Sinnstifter in der Gesellschaft von morgen» am GDI in Rüschlikon statt.

Das Ende «unseres» Wohlstandes
Was bedeutet Wohlstand in einer zunehmend entmaterialisierten Welt und wie lässt er sich angesichts des rasanten Wandels erhalten? Das GDI Gottlieb Duttweiler Institute stellte Strategien aus Sicht von Ökonomie, Philosophie und Trendforschung zur Diskussion.