Typologie der NachbarInnen: Die Distanzierten
Streit um die Breite der Hecke, ein gemeinsames Grillfest oder «noch nie gesehen»: Es gibt verschiedene Typen von NachbarInnen. In der Studie «Hallo Nachbar*in. Die grosse Schweizer Nachbarschaftsstudie» untersucht das GDI eben genau jene Verhältnisse in der Eidgenossenschaft. Einer von vier Nachbarschaftstypen sind die Distanzierten, die ihre Privatsphäre schätzen.

Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus der GDI-Studie «Hallo Nachbar*in. Die grosse Schweizer Nachbarschaftsstudie», die über unsere Website bezogen werden kann.

Die GDI-Studie «Hallo Nachbar*in. Die grosse Schweizer Nachbarschaftsstudie», die im
Auftrag des Migros-Kulturprozent verfasst wurde, zeigt, dass die meisten BewohnerInnen der Schweiz ein eher distanziertes Verhältnis zu ihren NachbarInnen pflegen. Doch obwohl die meisten Befragten ihre NachbarInnen nach eigener Einschätzung nicht gut kennen, fühlen sich drei Viertel in ihrer Nachbarschaft sicher, und es geben fast 90% an, den NachbarInnen zu vertrauen. Die Studie identifiziert vier Nachbarschaftstypen: die Distanzierten, die Inspirationssuchenden, die Beziehungspflegerinnen und -pfleger sowie die Werteorientierten. Heute: die Distanzierten:

Flexible Distanz zu NachbarInnen wahren
NachbarInnen gehören dazu. Notgedrungen, schliesslich lebt man nicht alleine auf dieser Welt. Die Distanzierten bevorzugen kontrollierte Nähe, Privatsphäre ist das höchste Gut. Sie verhalten sich unauffällig, sind weder laut noch halten sie sich lange in den öffentlichen Räumen des Quartiers auf. Geteilt wird das Minimum. Die Waschmaschine kauft man sich trotz Gemeinschaftswaschraum selbst. Und das erwarten sie auch von ihren NachbarInnen. Am liebsten leben die Distanzierten in ihrem eigenen, freistehenden Haus – mit natürlicher Distanz zu den NachbarInnen. Alles, was über ein grüssendes Wort oder ein wohlwollendes Nicken hinausgeht, wird eher als lästig empfunden. Unaufgefordert und ohne zwingenden Grund angesprochen zu werden, gleicht einem Tabubruch. Man ist für sich und möchte nicht gestört werden. Wenn man etwas braucht, hilft man sich in der Regel selbst und möchte niemandem zur Last fallen. Zumal das normalerweise kein Problem ist in der Stadt mit rund um die Uhr geöffneten Tankstellenshops und automatisierten Läden. Unabhängig zu sein und sich so zu nichts verpflichtet fühlen zu müssen, ist für die Distanzierten ein hohes Gut.

Nähe und Distanz im Gleichgewicht
Dennoch sind die Distanzierten nicht unnahbar. Sie geniessen und schätzen ab und an einen gemeinsam organisierten Anlass, um mit der Nachbarschaft in Kontakt zu treten. Gerne verknüpft man ihn mit einem nützlichen Zweck wie einer Eigentümerversammlung oder dem Elternabend der gleichaltrigen Kinder. So lässt sich Privatheit gekonnt eingrenzen.
Dennoch ist Diskretion wichtig. Wenn die Distanzierten Szenen oder Routinen aus dem Privatleben der NachbarInnen zufällig mitbekommen, reden sie darüber selbstverständlich nicht. Weder mit ihren FrisörInnen noch im Freundeskreis. Die Distanzierten wünschen sich, dass ihre NachbarInnen nach dem gleichen Prinzip handeln. Sie bieten kaum selbst aktiv Hilfe an. Werden sie um Hilfe gebeten, sind sie aber da. Vorausgesetzt, die Hilfe wird mit Bedacht gesucht und die NachbarInnen klopfen wirklich nur an, wenn es keine andere Lösung gibt.

Lesen Sie die vollständige Beschreibung der distanzierten NachbarInnen sowie der drei anderen Typen in der neuen GDI-Studie «Hallo Nachbar*in. Die grosse Schweizer Nachbarschaftsstudie». Jetzt kostenlos herunterladen!

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