So sieht das Vermögen der Zukunft aus
Wenn die grossen Sicherungsnetze unseres Sozialsystems zerfallen, werden Dorf und Familie an deren Stelle treten. Wie früher – nur ganz anders.

Bis Ende des vorletzten Jahrhunderts waren Dorf und Familie für die Altersvorsorge zuständig. Die Arbeitskraft der eigenen Kinder trug dazu bei, den Lebensabend der Eltern zu sichern, seit Jahrtausenden und noch heute. Die Familie bildete Vermögen auch in Form von Wissen – nur wenn die Kenntnisse der vorigen Generation an die nächste weitergegeben werden, kann sich Humankapital akkumulieren.

Als die Sicherungsnetze der Familie aber im Zuge der Industriellen Revolution zerfielen, übernahmen ab Ende des 19. Jahrhunderts Staat und Sozialsystem ihre Aufgabe: Gesetzliche Rentenversicherungen versprachen, das individuelle Lebensrisiko Alter gesamtgesellschaftlich abzusichern.

In den kommenden Jahrzehnten wird sich aber auch dieses grosse Sicherungsnetz auflösen. Die Alterung der Gesellschaft und die niedrigen Geburtenraten führen dazu, dass die angesammelten Renten- und Pensionsansprüche an die Staatskassen der Industriestaaten alle Grenzen der Finanzierbarkeit sprengen werden. Die kapitalgedeckte Vorsorge hilft da wenig. Denn wenn es bei der gesetzlichen Rente knirscht, gehen auch die Vorsorgepläne in die Knie, die sich auf angespartes Kapital stützen.

Die neuen Netze werden in Zukunft wieder von Dorf und Familie gespannt. «Dorf» steht dabei für das persönliche Global Village, ein selbst konstruiertes, mehr oder weniger verbindliches soziales Umfeld. Und Familie kann, muss aber nicht Vater, Mutter, Kinder bedeuten – Familie ist da, wo man füreinander einsteht, ein Netz der «strong ties».

Für die Altersvorsorge, die am stärksten durch den Zerfall der grossen Sicherungsnetze gefährdet sein wird, heisst das: in konkretes Humankapital investieren. Konkret bedeutet dabei: das Schaffen von direkten Beziehungen zwischen Individuen, die wechselseitige Verbindungen – und Verbindlichkeiten – zwischen Menschen herstellen.

Dies ist ein Auszug. Den ganzen Artikel finden Sie in der Printausgabe von GDI Impuls 4.2012. Hier gehts zum Archiv.

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