Privatsachen gehen uns alle an
Das verschweigt der Datenschützer: Was wir als privat empfinden, ist historisch bedingt und wandelbar.

Klar, wir fanden es auch eher frech, als Facebook uns mal wieder vor vollendete Tatsachen stellte, die Handynummern unserer Freunde veröffentlichte und wir nichts dagegen tun konnten, ohne gleich alle zu verlieren. Aber der verhältnismässig leise Aufschrei über die Veröffentlichung einer privaten Nummer zeigt eben auch: Unsere Vorstellung von Privatsphäre ist sich gerade schwer am verändern.

Was uns die Datenschützer nie erzählen, ist gerade dies: Privatheit ist ein historisches Konzept, das sich ständig wandelt. Die antiken Griechen störten sich zwar ob dem öffentlich onanierenden Diogenes. Aber Kindererziehung, Partnerwahl oder die eigene Gesundheit waren keine Privatsache, sondern Belange der „res publica“. Ein Anrecht auf individuelle Selbstverwirklichung in stillen Kämmerchen hatte auch im Mittelalter niemand. Der Historiker Norbert Elias berichtet in „Prozess der Zivilisation“ sogar, wie eine Hochzeitsgesellschaft ein Brautpaar kollektiv entkleidet und zu Bett bringt.

Die Privatsphäre ist eine Erfindung der Moderne. Was wir aus ihrer Entwicklung lernen können im Umgang mit modernen Technologien, zeigen wir auf gdi.ch mit einer Mini-Serie zum Thema Privatheit. (mg)

Studie, 2014 (kostenloser Download)

Sprache: Deutsch
Im Auftrag von: Swisscom

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Das Internet macht uns zu Primaten, sagt Lionel Tiger.