Noreena Hertz: «Social Media ist die Tabakindustrie des 21. Jahrhunderts»
Spätestens seit Covid-19 weiss jedeR, was «Social Distancing» bedeutet. Doch schon lange vor der Krise hätten sich die Menschen immer mehr voneinander distanziert, sagt Noreena Hertz. Die britische Ökonomin und Vordenkerin warnt vor einer vereinsamenden Gesellschaft und sprach darüber am GDI-Trendtag vom 10. März 2021.

Es begann mit Studenten, die zu Professorin Noreena Hertz kamen und über Probleme mit dem Alleinsein klagten. Zeitgleich zeigte eine Studie, dass sich 60 Prozent der britischen Bevölkerung einsam fühlte. Und eine renommierte Universität in den USA führte Kurse mit dem Titel «Gesichter lesen im wahren Leben» ein.

Noreena Hertz, laut der britischen Zeitung «Observer» eine der führenden Denkerinnen der Welt, erkannte das soziale Problem unseres Jahrhunderts: Wir werden immer einsamer. Schuld seien der neoliberale Kapitalismus und die Sozialen Medien. «Überall um uns herum löst sich das Gefüge der Gemeinschaft auf, und unsere persönlichen Beziehungen sind in Gefahr», warnt Noreena Hertz in ihrem Buch «The Lonely Century». Das sei gegen unsere Natur. «Es liegt in unserer DNA, uns zu verbinden. Wir sind Geschöpfe des Zusammenlebens.» Fühlten wir uns einsam, reagiere unser Körper mit erhöhtem Blutdruck und Stress. Einsamkeit sei so schlecht für unsere Gesundheit wie 15 Zigaretten am Tag, sagt die Britin: «Social Media ist die Tabakindustrie des 21. Jahrhunderts.»

Schon Mikro-Kontakte im Alltag wie das «Hallo» an der Supermarktkasse könnten gegen das Alleinsein helfen, erklärt Noreena Hertz. Aber Regierungen müssten das Problem noch aktiver angehen.

Wie genau, das erklärt Noreena Hertz hier im Video und am 17. Europäischen Trendtag vom 10. März 2021 am GDI.

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