Harvard-Ökonom über eine falsche Perspektive im Silicon Valley
Im Vorab-Video zur Academy of Behavioral Economics 2022 erklärt Top-Ökonom Felix Oberholzer-Gee, wie wichtig Perspektivenwechsel für die Strategieentwicklung von Unternehmen sind.

«Perspektiven funktionieren wie Filter. Sie helfen dabei zu unterscheiden, was wirklich wichtig ist und was wiederum noch einen Tag warten kann. Sie zeigen, wo man Ressourcen, Kapital und Personal einsetzen sollte, um aktuelle Herausforderungen zu meistern», meint Felix Oberholzer-Gee, Professor an der Harvard Business School und Referent an der Academy of Behavioral Economics 2022. Ein Perspektivenwechsel sei nie ganz einfach, weil man nicht wirklich wisse, wann die alte Perspektive nicht mehr gültig sei, und viele Ressourcenverteilungen und Aktivitäten auf alten Vorstellungen unserer Perspektiven basierten.

Als Beispiel dafür nennt Oberholzer-Gee das Silicon Valley: «Die Vorstellung, in einer digitalen Wirtschaft würden Unternehmen, die von Netzwerkeffekten profitieren, immer gewinnen, war vor 25 Jahren eine fantastische Geschichte im Silicon Valley und führte zu einem massiven Kapitalzufluss. Heute wissen wir, das ist nicht die richtige Perspektive.» Immer wieder sähe man, dass Unternehmen mit Netzwerkeffekten nicht zu den Gewinnern gehörten. Dennoch sei die alte Sichtweise, dass es auf schnelles Wachstum, auf die Grösse oder die Anzahl der NutzerInnen ankäme, auch heute noch vorherrschend. Obwohl andere Wege der Wertschöpfung sich als mindestens ebenso wertvoll erwiesen hätten.

«Der Schlüssel ist, die grundlegenden wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Wende ich ein Werkzeug oder ein Framework an, das in der Vergangenheit funktioniert hat, aber heute nicht mehr?», so Oberholzer-Gee.

Academy of Behavioral Economics 2022
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