Die Weltgeschichte der Kopie
Im Streit um Copyright sucht die halbe Welt nach Lösungen zum Schutz des geistigen Eigentums. Im Magazin «GDI Impuls» werfen wir einen Blick auf die Entwicklungsgeschichte der Kopie.

Die Digitalisierung von Informationen hat unsere Kultur umgekrempelt. Im Alltag, aber auch in der Rechtsprechung. Hier ist ein Streit um das Copyright ausgebrochen. Die eine Seite pocht auf das Recht des Urhebers auf sein geistiges Eigentum: So versuchen die westlichen Handelsnationen mit dem ACTA-Abkommen, das Urheberrecht zu stärken. Auf der Gegenseite vertreten die allerorts an Sympathie zulegenden Piratenparteien die Position, das ganze Konzept des Urhebers sei bereits überholt. Zwischen den beiden Polen leben Millionen von Konsumenten, die digitalisierte Musik, Filme oder Bücher downloaden: mal legal, mal illegal. Dass Verstösse gegen das Recht auf geistiges Eigentum mehr als ein Kavaliersdelikt sind, zeigt aber der Fall des deutschen CDU-Politikers Karl-Theodor zu Guttenberg. Wegen einer Plagiatsaffäre um seine Dissertation legte der ehemalige deutsche Verteidigungsminister 2011 seine politischen Ämter nieder.

Wer die Diskussion mit ein wenig Abstand betrachtet, der sieht, dass im historischen Kontext die meiste Produktion Reproduktion ist. Die Kopie hat eine lange Geschichte in unserer Kultur. «GDI Impuls» hat eine Liste erstellt, die zeigt, was wann und wie kopierbar wurde.

VOR CIRCA VIER MILLIARDEN JAHREN: DNA
Der Doppelstrang der DNA steht am Anfang der Entstehung des Lebens. Durch Teilung kann die DNA die Erbinformation beliebig oft kopieren. Kleine Irrtümer (Mutationen) sind die Ausnahme – aber sie bringen die Evolution in Gang.

VOR CIRCA 5000 JAHREN: GUSSFORM
Formen aus Stein, in die flüssiges Kupfer gegossen wurde, waren die ersten Geräte, mit denen (fast) identische Produkte in Serie hergestellt werden konnten. Vor etwa 4000 Jahren kam ein härterer Werkstoff auf – die Bronzezeit begann.

1453: BUCHDRUCK
JOhannes Gutenbergs Medienrevolution machte dem Abschreiben von Büchern ein Ende und ermöglichte unbegrenzte identische Kopien ein und desselben Druckwerks.

1771: FABRIK
Die von Richard Arkwright im englischen Cromford gegründete Baumwollspinnerei steht am Übergang zur industriellen Produktion. Maschinen übernehmen es, immer das gleiche Produkt in beliebig hohen Stückzahlen herzustellen.

1835: NEGATIV
Waren die ersten Fotografien (von Niepce und Daguerre) noch allesamt Unikate, entwickelte William Fox Talbot das Negativ-Positiv-Verfahren, mit dem Fotos unbegrenzt dupliziert werden konnten.

1843: TELEFAX
Etwa zeitgleich mit dem Morse-Telegrafen entwickelte sich auch die Technik, Schwarz-Weiss-Bilder elektrisch zu übertragen. In den folgenden Jahrzehnten wurden Telefaxdienste vorwiegend von Polizei und Presse für die Foto-Übertragung genutzt.

1877: PHONOGRAPH
Die Wiedergabe von Schall wurde erstmals am 28. November 1877 von Thomas Alva Edison vorgeführt. Die Vervielfältigung der Aufnahmen war allerdings erst zwei Jahrzehnte später möglich.

1948: DIGITALISIERUNG
Zwar gibt es weit ältere Formen digitaler Informationsübertragung (wie die Braille-Schrift oder das Morse-Alphabet), aber Claude Shannons Buch «The Mathematical Theory of Communication» markiert den Durchbruch für die Digitalisierung von Information.

1971: E-MAIL
Briefe gehen immer nur an eine Person und brauchen viel Zeit, Mails erreichen viele Adressaten, und das sofort. Ende 1971 schickte Ray Tomlinson an seine Kollegen bei der Firma BBN die erste Mail – unter Verwendung des vorher ziemlich nutzlosen @-Zeichens.

1983: DNA-KLONIERUNG
Kary Mullis entwickelt ein Verfahren, um Abschnitte von Erbmaterial zu vervielfältigen – die Polymerase-Kettenreaktion. Sie ist dem entsprechenden Verfahren in der Natur nachgebaut.

1986: 3-D-DRUCK
«Stereolithografie» nannte Charles Hull das von ihm entwickelte Verfahren, dreidimensionale Objekte aus Computerdateien zu erzeugen – ursprünglich nur im Prototypenbau für Industrie und Design eingesetzt.

1996: KLONEN
In der Pflanzenzucht ist Klonen seit langem üblich, aber Schaf Dolly war 1996 das erste Säugetier, das genetisch zu hundert Prozent mit seiner Mutter identisch war. Das Klonen von Menschen ist technisch möglich, rechtlich umstritten und wohl noch nicht geschehen.

1998: FILESHARING
Das von Shawn Fanning programmierte Peer-to-Peer-Netzwerk Napster war der erste Dienst, mit dem Millionen von Menschen untereinander (Musik-)Dateien austauschten – und Vorbild für eine Unzahl von Systemen für den Content-Download.

2265: REPLIKATOR
Dieses Gerät, das jeden in seiner atomaren Struktur vorher erfassten Gegenstand duplizieren kann, gehört zur Grundausstattung des Raumschiffs Enterprise. Es gilt in der «Star Trek»-Gemeinde als Hauptgrund dafür, dass die Menschen kein Geld mehr kennen.

«Händler müssen sich überlegen, was sie wollen»
Die neue GDI-Studie «Verführung für Fortgeschrittene» liefert weniger Flirt-Tipps als Überlebenshilfen für den stationären Handel. GDI-CEO David Bosshart erklärt die Studie im Interview.