Der Neid der Ökonomen: Wie die Wirtschaftslehre realitätsfremd wurde
Die Wirtschaftswissenschaften litten an «Physikneid», sagt Lord Adair Turner, ehemaliger Chef der britischen Finanzmarktsaufsicht. Statt Realitätsnähe dominierte der Wunsch nach eleganten Formeln und akademischem Ruhm. In einem Video erklärt Turner, welche Folgen er sieht.

Die Wirtschaftswissenschaften sind ein Formeln-Dschungel. Nicht weil sie tatsächlich so komplex wären, sondern weil Ökonominnen und Ökonomen oft an «Physikneid» litten – dem Wunsch, Wirtschaft in einer mathematischen Sprache auszudrücken. Dies sagt der Vorsitzende des Institute for New Economic Thinking, Lord Adair Turner.

Turner erklärt: «Intellektuelle Prozesse entwickeln oftmals eine Eigendynamik, getrieben vom Wunsch nach akademischer Anerkennung und einer möglichst eleganten Formel. Und wenn dazu völliger Blödsinn als gegeben angenommen werden muss, wird das gemacht.»

Hingegen spielten fundamentale Fragen wie die nach der Herkunft von Geld und Schulden in der modernen Wirtschaftslehre keine Rolle mehr, zentrale Probleme der Weltwirtschaft blieben ungelöst, meint Turner im Video:

Am 21. Januar 2019 erklärt Lord Adair Turner am GDI seine Sicht der Wirtschaft im Roboterzeitalter. Zusammen mit dem US-Politexperten Robert Kagan ist Turner Gast an der Abendveranstaltung «Robot Capitalism and The Coming World Disorder».

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