David Bosshart: «Es gibt kein Zurück zur alten Normalität»
Die Corona-Krise wird zum Katalysator für neue Anbauformen wie Urban Farming und Fleisch aus Zellkulturen. Noch fehlt für vieles aber die technische Infrastruktur. Im Interview mit der «Lebensmittel Zeitung» verdeutlicht David Bosshart, wie Covid-19 die Ernährung verändert hat.

David Bosshart: Im Homeoffice gab es mehr Pasta, mehr Snacking, mehr Tiefkühlkost und Take-away, sowie Dosen für den Vorrat. Aber es wurde auch häufiger gebacken. Lebensmittel werden stärker wertgeschätzt.

Ein Zurück zur alten Normalität wird es nicht geben. Zum Glück. Denn das war eine tiefkranke Normalität. Schauen Sie sich die Schlachthöfe an oder die Monokulturen. Vielen ist bewusst, dass es gesunde Menschen auf einem kranken Planeten nicht geben kann.

Es geht in erster Linie um Urban Farming und um Local Food. Zehn Prozent des Bedarfs könnten damit gedeckt werden.

Zuerst werden wir vor allem Pflanzenproteine sehen. Künftig sind auch Zellkulturen ein wichtiger Ansatz, übrigens auch bei Milchprodukten. Die Produktion braucht wenig Fläche, es gibt keine Monokulturen für Tierfutter und keinen CO2-Ausstoß. Bis Retortenfleisch oder -käse zum Massenprodukt wird, dauert es wohl noch Jahre. Zwischen technischer Reife und sozialer Akzeptanz gibt es einen Graben.

Supermärkte sind historische Phänomene. Die Lebensmittel müssen von einer viel innovativeren Agrarkultur her neu entwickelt werden. Direktvertrieb wird zunehmen.

Noch nicht. Wir brauchen künftig mehr cloudbasierte, KIgesteuerte, vollautomatische Systeme bei Anbau, Logistik
und Vertrieb, sonst wird‘s zu teuer. Zusätzlich sind qualitativ gute Daten von Dingen, Maschinen und Menschen nötig.

Auch das hat sich durch Corona verändert. Bio, Sicherheit und Gesundheit werden immer wichtiger. Die Menschen haben Angst und geben Daten gegen Sicherheit.

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