Clean Meat oder Zombie-Fleisch?
Laborfleisch oder In-Vitro-Fleisch ist auf dem Vormarsch und verspricht den Schutz des Tierwohls sowie geringere Energiekosten. Doch wie sieht es mit der Akzeptanz bei den KundInnen aus? Im «European Food Trends Report 2021» des GDI gibt’s die Antwort.

Der nachfolgende Text basiert auf einem Auszug aus dem «European Food Trends Report 2021», der über unsere Website bezogen werden kann.

Die Marktforschung kommt hinsichtlich der Akzeptanz von Fleisch und Fisch aus zellbasierter Landwirtschaft zu unterschiedlichen Ergebnissen. Im September 2020 fand eine australische Studie zur Generation Z heraus, dass die Mehrheit (72 Prozent) der Befragten nicht bereit war, Laborfleisch zu akzeptieren. Dennoch hielten viele es für eine sinnvolle Idee, weil der Umstieg auf nachhaltigere Lebensmittel und die Verbesserung des Tierschutzes notwendig seien. Vor die Wahl zwischen verschiedenen Alternativen zu konventionellem Fleisch gestellt, lehnte ein Drittel der TeilnehmerInnen kultiviertes Fleisch und essbare Insekten ab, akzeptierte aber pflanzliche Ersatzprodukte, die sie für natürlicher hielten.

Im gleichen Monat deuteten neue Untersuchungen auf eine wachsende Akzeptanz der fleischlosen Ernährung in Deutschland und Frankreich hin. Während der Anteil der VegetarierInnen in Frankreich noch relativ gering ist, machen die überzeugten FleischesserInnen in Deutschland weniger als 50  Prozent aus. Die Gruppe der FlexitarierInnen wächst, und die Sorge um das Tierwohl ist der am häufigsten genannte Grund für den Fleischverzicht.

In beiden Ländern gibt es ein bedeutendes Marktpotenzial für Clean Meat, wobei die deutschen KonsumentInnen dem Konzept deutlich offener gegenüberstehen als die FranzosInnen. 44  Prozent der französischen und 58  Prozent der deutschen Befragten gaben an, dass sie bereit wären, kultiviertes Fleisch zu probieren, wobei 37 Prozent der französischen und 56 Prozent der deutschen KonsumentInnen, es auch selbst kaufen würden. Auffallend ist, dass die Akzeptanz von zellbasiertem Fleisch unter Landwirtschafts- und FleischarbeiterInnen deutlich höher war. Dies deutet darauf hin, dass diejenigen, die den bisherigen Methoden der Fleischproduktion am nächsten sind, am ehesten Alternativen bevorzugen.

Fast Food als Multiplikator
Ein Schlüsselfaktor für die Akzeptanz von Produkten aus zellulärer Landwirtschaft wird der Vertrieb über den Gastrokanal sein. Speziell die grossen Fast-Food-Ketten sind ein wichtiger Multiplikator und für viele KonsumentInnen der erste Berührungspunkt mit neuen Protein-Alternativen. Denselben Effekt konnte man bereits bei pflanzlichem Fleisch beobachten. Fast-Food-Giganten wie Burger King, McDonald’s oder Subway haben
in den letzten Jahren immer mehr pflanzliche Produkte in ihr Sortiment aufgenommen und sie damit einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Wenn diese Ketten nun auch zellbasiertes Fleisch anbieten – und das werden sie –, finden die Produkte ganz automatisch ihren Weg in die Mägen einer breiteren Zielgruppe und damit früher oder später auch in den Mainstream.

European Food Trends Report 2021

GDI-Studie Nr. 50 / 2021

Sprache: Deutsch, Englisch

Format: PDF, 50 Seiten

Stefan Sagmeister: «Verzicht als Glücksbringer kann ich nicht direkt nachvollziehen»
Der österreichische Grafikdesigner und Typograf lebt und arbeitet in New York. Sagmeister hat CD-Cover-Designs u.a. für Lou Reed, die Rolling Stones oder David Byrne entworfen. Im Vorabinterview zum 18. Europäischen Trendtag spricht er mit uns über Glück, Schönheit und Design.