Ah, die Herrschaft der Algorithmen!
Wer hat Angst vor Robotern? Christoph Kucklick nicht. Der Autor sagt in der neuen Ausgabe von «GDI Impuls», was wir in der anbrechenden Digitalzeit brauchen: zum Beispiel Algorithmenprüfer und einen neuen Rechts-Status für intelligente Maschinen.




Herr Kucklick, die Digitalisierung erfordere einen neuen Gesellschaftsvertrag, meinen Sie…



Aber können wir das denn noch – oder bestimmen da schon die Algorithmen?


Also lernen nicht nur die Algorithmen mehr über uns, sondern auch wir mehr über die Algorithmen?


Können wir?



…ach, deshalb bekomme ich jede «Candy Crush»-Meldung meiner Schwägerin immer sofort in die Timeline gespült?


Oder es selbst zu verändern: Behellige mich nicht mit dem, was meine Schwägerin in der Nacht postet. Blende mir nur Auto-Anzeigen ein, wenn ich selbst gerade nach einem neuen Auto suche.


Durch einen Antrag bei der Algorithmengenehmigungsbehörde?


Nach der Suchmaschinenoptimierung für Unternehmen käme dann die Algorithmenoptimierung für Personen?


Facebook hat ja auch mal als Dumme-Jungen-Hack angefangen.


Zu mehr Transparenz kann es ja auch kommen, wenn die Googles, Facebooks und Ubers sich auf gemeinsame Regeln einigen.


Sie meinen die NSA-Affäre und das Überwachungsthema?


Das klingt ja deutlich pessimistischer als Ihre Aussage zu Beginn, wonach wir beständig lernen und uns weiterentwickeln.


Nämlich?


Algorithmenprüfungsgesellschaften?


Zweifeln Sie an dieser Globalität? Digitale Maschinen reihen doch überall auf der Welt die gleichen Nullen und Einsen aneinander. Also sollten sich doch auch Regeln finden lassen, die mehr oder weniger weltweit funktionieren.


…und den verschiedensten Strassenverkehrsordnungen, um beim direkt bevorstehenden Thema der selbstfahrenden Autos zu bleiben.


Oder muss es sich sogar gezielt nicht an Regeln halten? Vielleicht stoppen ja die spanischen Google-Cars wie spanische Autofahrer nie an roten Ampeln – aber in Deutschland halten sie immer bei Rot.



Es sei denn, man würde den Maschinen einen grösseren Entschei dungsspielraum geben.



Bisher behandeln wir sie wie – Maschinen eben.


Im Unternehmensrecht schon, da gibt es juristische Personen.


Können wir das nicht einfach bleiben lassen? Wir mit unserer zunehmend alternden Gesellschaft…


Da wird auch von der anderen, der menschlichen Seite herkommend, ein Regulierungsbedarf entstehen. Für, sagen wir, Transformer – für Menschen mit Prothesen, Exoskeletten, leistungssteigernden oder wesensverändernden Implantaten und so weiter. Da stellt sich die Frage, was erlaubt ist, um noch menschlich zu sein, heute schon bei der Teilnahme an Schönheitskonkurrenzen oder Sportwettbewerben.



Wenn wir überschwemmt werden: Gehen wir unter? Oder lernen wir schwimmen?

WeQ: Ein Megatrend für das 21. Jahrhundert
Alle Welt spricht von der Individualisierung. Doch die geht jetzt vorbei, sagt Peter Spiegel im «GDI Impuls». Und nicht nur vorbei, sondern in die Gegenrichtung: Wir-Qualitäten prägen das neue Jahrhundert – und mit WeQ-Tests könnten wir erkennen, wie ausgeprägt diese bei uns bereits sind.